Professor Sinn erklärt in Dillenburg,
wie sehr "Europa in der Krise" steckt.
wie sehr "Europa in der Krise" steckt.
559 Millarden euro - das zahlt Deutschland,
wenn die europäischen Krisenstaaten zusammenbrechen.
Sag Professor Hans-Werner Sinn.
wenn die europäischen Krisenstaaten zusammenbrechen.
Sag Professor Hans-Werner Sinn.
Er ist Chef des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, seit 1989
auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat beim
Bundeswirtschaftsministerium.
Sein Wort hat Gewicht, wenn es um Geld geht. In einem Vortrag
am Freitagabend in Dillenburg forderte er: Griechenland solle aus
der Euro-Zone austreten. Aber unabhängig
davon sagte er den 150 Zuhörern:
"Eins ist sicher: Ein Teil Ihres Vermögens ist bereits weg.
auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat beim
Bundeswirtschaftsministerium.
Sein Wort hat Gewicht, wenn es um Geld geht. In einem Vortrag
am Freitagabend in Dillenburg forderte er: Griechenland solle aus
der Euro-Zone austreten. Aber unabhängig
davon sagte er den 150 Zuhörern:
"Eins ist sicher: Ein Teil Ihres Vermögens ist bereits weg.
Und die EZB hat laut Sinn einen weiteren
Fehler gemacht: Sie habe den Krisenstaaten erlaubt, die Druckerpressen
anzuwerfen und frisches Geld zu drucken. Sinn sagt: "Die Defizite seit
2007 wurden mit Druckerpressen finanziert." So genannte
"Target-Kredite". Die GIPS-Staaten sind dabei Schuldner gegenüber der
EZB, und Nationen wie Deutschland sind die Gläubiger dieser Kredite. So habe
Deutschland inzwischen über die EZB eine Forderung an die Krisenstaaten von 450
Milliarden Euro. Diese Zahl sei erst am Donnerstag bekannt geworden. Im Frühjahr
habe diese "Target-Kredite" noch kein Mensch gekannt, und bei der EZB
existierten bis heute keine Statistiken darüber. Sinn: "Sie wissen nicht,
was sie tun."
Für den Wirtschaftsprofessor sind die "Target-Kredite" "ein
Rettungsschirm vor dem Rettungsschirm" - von dem er ohnehin nichts hält.
Der Bundestag hatte Ende September einen Euro-Rettungsschirm für die stark
verschuldeten Euro-Staaten beschlossen, er sollte sie vor Zahlungsschwierigkeiten
schützen. Der Rettungsfonds hatte ein Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro,
Deutschland haftet mit bis zu 211 Milliarden Euro. Sinn: "Manche
Bundestagsabgeordneten wussten nicht einmal, über welche Zahlen sie
abstimmten." Als Schuster müsse man wissen, wie man Schuhe repariert. Aber
als Bundestagsabgeordneter müsse man nichts wissen. "Das war jetzt etwas
polemisch", räumte der Professor ein, "aber das ganze Thema regt mich
etwas auf."
"Eins ist bereits jetzt sicher: Ein Teil Ihres Vermögens ist schon
weg"
Für Sinn verdient "diese ganze Reiterei" ihren Namen nicht. Sie
verhindere die eigentliche Rettung. Mit dem Geld werde in den Krisenstaaten ein
verzerrtes Preis-Lohn-Niveau künstlich hochgehalten, das die Wettbewerbsfähigkeit
dieser Länder verhindere.
Die Politik habe ein Rettungspaket geschaffen, dann habe sie es aufgestockt,
und nun wolle sie noch "einen Hebel" ansetzen, um die Wirkung zu
vervielfachen. "Ich finde diese Trickserei der Politik ist unerträglich. Das
fällt uns noch auf die Füße, das Risiko ist zu groß."
927 Milliarden Euro europäischer Haftungssummen seien bislang schon vergeben.
Nach dem letzten Rettungsschirm bestehe sogar ein Potenzial von 1767 Milliarden
Euro. Sin fragt: Was ist, wenn die GIPS-Staaten zusammenbrechen? Was kommt dann
auf uns zu? Er hat es ausgerechnet: 559 Milliarden Euro betrage das
Haftungsrisiko von Deutschland, wenn Griechenland, Irland, Spanien, Portugal,
außerdem noch Italien pleitegingen.
Und direkt an die Zuhörer gewandt: "Eins ist bereits jetzt sicher: Ein
Teil Ihres Vermögens ist schon weg. Es ist nur die Frage: Verlieren Sie es über
die Inflation oder über eine Vermögenssteuer?" Man könne sich drehen und
wenden, wie man wolle - aber aus dieser Situation gebe es kein Herauskommen. Die
Märkte erwarteten inzwischen einen Konkurs Deutschlands mit einer
Wahrscheinlichkeit von 13 Prozent - soweit sei es schon gekommen.
Professor Sinn sieht aber "nicht, dass wir den Euro verlieren. Aber wenn
wir ihn verlieren, ist es nicht das Ende von Europa." Er sei kein Euro-Gegner
und halte ihn immer noch für Verteidigungswert, aber er finde es falsch, das
Thema so mystisch zu erhöhen, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel tue. Diese
Horrorszenarien könne er als Ökonom in keiner Weise nachvollziehen, sagte der
Wirtschaftsprofessor. So eine Drohkulisse erinnere ihn an die DDR, wo man gesagt
habe: Entweder ihr seid für den Sozialismus oder ihr seid für den Krieg. Sinn:
"Es gibt auch noch Zwischenlösungen."
Fehler gemacht: Sie habe den Krisenstaaten erlaubt, die Druckerpressen
anzuwerfen und frisches Geld zu drucken. Sinn sagt: "Die Defizite seit
2007 wurden mit Druckerpressen finanziert." So genannte
"Target-Kredite". Die GIPS-Staaten sind dabei Schuldner gegenüber der
EZB, und Nationen wie Deutschland sind die Gläubiger dieser Kredite. So habe
Deutschland inzwischen über die EZB eine Forderung an die Krisenstaaten von 450
Milliarden Euro. Diese Zahl sei erst am Donnerstag bekannt geworden. Im Frühjahr
habe diese "Target-Kredite" noch kein Mensch gekannt, und bei der EZB
existierten bis heute keine Statistiken darüber. Sinn: "Sie wissen nicht,
was sie tun."
Für den Wirtschaftsprofessor sind die "Target-Kredite" "ein
Rettungsschirm vor dem Rettungsschirm" - von dem er ohnehin nichts hält.
Der Bundestag hatte Ende September einen Euro-Rettungsschirm für die stark
verschuldeten Euro-Staaten beschlossen, er sollte sie vor Zahlungsschwierigkeiten
schützen. Der Rettungsfonds hatte ein Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro,
Deutschland haftet mit bis zu 211 Milliarden Euro. Sinn: "Manche
Bundestagsabgeordneten wussten nicht einmal, über welche Zahlen sie
abstimmten." Als Schuster müsse man wissen, wie man Schuhe repariert. Aber
als Bundestagsabgeordneter müsse man nichts wissen. "Das war jetzt etwas
polemisch", räumte der Professor ein, "aber das ganze Thema regt mich
etwas auf."
"Eins ist bereits jetzt sicher: Ein Teil Ihres Vermögens ist schon
weg"
Für Sinn verdient "diese ganze Reiterei" ihren Namen nicht. Sie
verhindere die eigentliche Rettung. Mit dem Geld werde in den Krisenstaaten ein
verzerrtes Preis-Lohn-Niveau künstlich hochgehalten, das die Wettbewerbsfähigkeit
dieser Länder verhindere.
Die Politik habe ein Rettungspaket geschaffen, dann habe sie es aufgestockt,
und nun wolle sie noch "einen Hebel" ansetzen, um die Wirkung zu
vervielfachen. "Ich finde diese Trickserei der Politik ist unerträglich. Das
fällt uns noch auf die Füße, das Risiko ist zu groß."
927 Milliarden Euro europäischer Haftungssummen seien bislang schon vergeben.
Nach dem letzten Rettungsschirm bestehe sogar ein Potenzial von 1767 Milliarden
Euro. Sin fragt: Was ist, wenn die GIPS-Staaten zusammenbrechen? Was kommt dann
auf uns zu? Er hat es ausgerechnet: 559 Milliarden Euro betrage das
Haftungsrisiko von Deutschland, wenn Griechenland, Irland, Spanien, Portugal,
außerdem noch Italien pleitegingen.
Und direkt an die Zuhörer gewandt: "Eins ist bereits jetzt sicher: Ein
Teil Ihres Vermögens ist schon weg. Es ist nur die Frage: Verlieren Sie es über
die Inflation oder über eine Vermögenssteuer?" Man könne sich drehen und
wenden, wie man wolle - aber aus dieser Situation gebe es kein Herauskommen. Die
Märkte erwarteten inzwischen einen Konkurs Deutschlands mit einer
Wahrscheinlichkeit von 13 Prozent - soweit sei es schon gekommen.
Professor Sinn sieht aber "nicht, dass wir den Euro verlieren. Aber wenn
wir ihn verlieren, ist es nicht das Ende von Europa." Er sei kein Euro-Gegner
und halte ihn immer noch für Verteidigungswert, aber er finde es falsch, das
Thema so mystisch zu erhöhen, wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel tue. Diese
Horrorszenarien könne er als Ökonom in keiner Weise nachvollziehen, sagte der
Wirtschaftsprofessor. So eine Drohkulisse erinnere ihn an die DDR, wo man gesagt
habe: Entweder ihr seid für den Sozialismus oder ihr seid für den Krieg. Sinn:
"Es gibt auch noch Zwischenlösungen."